Stock Fotos: Wo und wo nicht. Und warum.

Ok, Stock Fotos – Bilder aus Bilddatenbanken – sind ein heikles Thema. Eines, auf das man Fotografen lieber nicht anspricht. Man will ja nicht provozieren…

Andrerseits gibt es viele Stock Agenturen (iStockPhoto, Dreamstime, Getty,..) es scheint also schon so zu sein, dass es Interesse gibt. Kann also nicht schlecht sein, oder? Und das sind professionelle Fotos. Und billig dazu.

Also soll ich jetzt – oder soll ich nicht. Das hier ist der Versuch eines Fotografen (moi) - der sowohl Auftragsarbeiten als auch Stock Images macht - das Thema neutral zu betrachten. Und zwar aus der Sicht einer Firma, die ihr Produkt/ihre Leistung auf der eigenen Website darstellen will.

Gut? Gut.

 

Stock Fotos: wo eher nicht

Was ich bei meiner Firmenwebsite will ist mein Produkt, meine Leistung klar und deutlich darzustellen. Positiv. Persönlich. Warum persönlich? Weil ein Gesicht, ein echter Mensch zu dem ich einen emotionalen Bezug herstellen kann, schon fast die halbe Miete ist. Menschen reden nun mal gerne mit Menschen. Das ist umso wichtiger je kleiner eine Firma ist. 

Ein persönlicher Bezug ist aber mit Stock Fotos schwer. Die werden allgemein zu einem Thema erstellt (Business, Meeting, Freude, Strategie,…) – und können schon deshalb nicht persönlich sein, weil die handelnden Personen selbst nicht abgebildet sind. Aber ein Model. In einem schicken Business Anzug. Mit gewinnendem Lächeln. Nur: hat das was mit meiner Firma zu tun? Nein. Sieht man die wirkliche Umgebung? Die echten Leute? Auch nein.

Handwerker von beelocal bei der Arbeit

Auch bei Bildern, die nicht direkt Menschen abbilden, sondern ein Konzept gibt es das Problem. Stock Fotos können nur eine abstrakte Behandlung des Themas sein – und oft passen sie gerade mal so. Ein Beispiel? Nehmen wir „Strategie“. Das klassische Stock Foto dazu ist eine Schachfigur. Echt, jetzt? Wenn wir hier „Strategie machen“, dann tun wir das an einem Flipboard. Mit 1000en Zetteln. Und Kaffee. Unmengen davon. Ist es für den Besucher der Website nicht interessanter zu sehen wie mir der Schädel raucht als das Bild einer Schachfigur vorgesetzt zu bekommen? Auch das ist viel persönlicher, oder? Und ein Bild von der echten Mannschaft bei der Arbeit läuft auch nicht so sehr Gefahr ein tiefer Griff in die Kitschkiste zu werden…

„Strategie“ ist zu vage? Nehmen wir Spaß an der Freude bei einem Kinderschwimmkurs. Das Bild hier zeigt eine echte Trainerin mit ihren echten Schützlingen. Und die Kids waren mit vollem Einsatz dabei. Wenn ich den Kurs buche wird mein Kind genau diese Trainerin vorfinden. Und die selbe oder zumindest eine sehr ähnliche Gruppe von Kindern. In genau diesem Schwimmbad. Ist doch besser als ein allgemeines Bild von einem lächelnden Kind, das mit der ganzen Geschichte nichts zu tun hat, oder?

Wasserschlacht bei SpeedFish

Und wenn ich einen Produktionsprozess beschreiben will? Auch wieder die echte Umgebung macht’s. Dann passt die Bildstimmung zur Bildsprache der gesamten Site, es ist kein abstraktes Konzept, es ist das echte Ding. Darauf ist man doch als Firma stolz, oder? Und ich finde dieses Bild auch nicht auf 1000 anderen Seiten. Oder bei direkten Mitbewerb.

Honigschleuder. Mal ein wenig grösser...

 

Einen letzen Punkt gegen den Einsatz von Stock Fotos habe ich noch: Man bekommt exakt das was man kauft. Ist doch gut, oder? Jein. Ein nicht zu kleiner Teil meiner Leistung als Fotograf besteht darin, passende Konzepte zu erarbeiten, diese mit meinen Kunden zu diskutieren und daraus ein rundes Ganzes zu machen. Mit anderen Worten: ich liefere Input. Etwas woran vorher vielleicht keiner gedacht hat. Ein überraschender Ansatz vielleicht. Auf jeden Fall keine 08/15 Lösung. Genau dieser Prozess geht verloren, wenn ich mir einfach nur ein Bild aussuche.

Aber genug vom „wo nicht“. Jetzt kommt das „wo schon“

 

Stock Fotos: wo eher schon

Gleich mal vorne weg: ich verwende selbst Stock Fotos. Ja, auch Fotografen machen das. Es ist mir einfach nicht möglich alles selbst zu fotografieren – so gerne ich das täte. Beispiel? Eine Eiswüste mit rauer See und Eisschollen. Als Hintergrund in einem Bild. Werde ich deshalb extra in die Arktis fliegen? Eher nicht.

Das ist auch schon der erste Anwendungsfall: Bildmontagen. Montagen bestehen oft aus sehr vielen einzelnen Bildern, die zu einem hoffentlich stimmigen Ganzen zusammengefügt werden. Ist es relevant, ob der Vogelschwarm im linken oberen Eck am Originalschauplatz aufgenommen wurde? Wenn er logisch ins Bild passt wohl eher nicht. Da ist ein Stock Foto schneller. Und da will ich auch exakt das Bild bekommen das ich sehe – als derjenige der die Bildmontage durchführt.

Deprimierend...

Ein weiterer Anwendungsfall sind Bilder, die keinen inhaltlichen Bezug haben oder nicht in ihrer Gänze sichtbar sind. Oder einfach nur dekorativ sein sollen. Ein Beispiel dafür sind die Bilder hinter den Header Texten. Oder nur schwach sichtbare Hintergrundbilder. Wenn’s da was Eigenes gibt: super. Wenn nicht: Stock.

Pflumiger Header

Das mit dem „dekorativ“ gilt auch für Blogbeiträge. Wenn’s nicht gerade wirklich um die Personen oder ein spezifisches Produkt geht sind Stock Fotos durchaus ok – solange sie den Text nicht dominieren und eigentlich nur als visueller Trenner dienen. Auch hier gilt: wenn was Eigenes existiert: spitze. Sonst: Stock.

Es gibt also durchaus Anwendungen für Stock Fotos. Verteufeln ist also nicht notwendig.

 

Stock Fotos: Alternativen zu Stock und Bild vom Fotograf

Auf einer Website muss nicht jedes Bild vom Profi sein. Manchmal wirken selbst gemachte Bilder sehr persönlich – auch wenn sie mit dem Mobiltelefon aufgenommen wurden. Die Bilder sollten natürlich scharf und richtig belichtet sein, aber ansonsten: das ist das echte Leben. Die Speedfish Website illustriert das recht gut, finde ich. Die Banner-Bilder sind professionelle Aufnahmen, die kleinen Bilder dazwischen haben die Damen und Herren selber geschossen – und das wirkt doch gut, oder?

Das mit dem „nimm doch selber die Kamera in die Hand“ gilt auch für Social Media. Kaum eine kleinere Firma wird das Budget haben für den täglichen Post auf Facebook einen Fotografen anzuheuern. Muss auch nicht sein. Selber knipsen und rauf damit! Die eigene Sicht zeigen – und Mut zu fotografischen Fehlern. Das ist ein Social Media Kanal, keine Ausstellung für künstlerische Fotografie. Natürlich ist hin und wieder mal zwischendurch eine Pro-Aufnahme gut, einfach als Eye Catcher. Aber Sachen, die von einem selbst kommen haben ihren eigenen Reiz. Und wenn’s nur ein verschwommenes Selfie ist…

 

Stock Fotos: Fazit

Wie bei so vielem gibt es auch bei Stock Foto vs. Bild vom Fotografen keine absolute Wahrheit. Stock Fotos sind für manche Anwendungen eindeutig sinnvoll. Für andere eben weniger. Was meint ihr?

 

p.s.: nein, ich habe in diesem Post keine Stock Images verwendet, auch nicht als „schlechtes“ Beispiel. Das haben sie sich nicht verdient.